"If we are not given the option to live without violence, we are given the choice to center our meals around harvest or slaughter, husbandry or war. We have chosen slaughter. We have chosen war. That's the truest version of our story of eating animals.

Can we tell a new story?”

Jonathan Safran Foer - Eating Animals

Wednesday, February 1, 2012

When a Veganista loves an Omni

Mein Freund ist zurück aus Miami. Mein Freund liebt eines besonders gerne: Essen. Genau wie ich also. Der einzige Unterschied: Er isst alles und damit meine ich wirklich ALLES. Da er Sportler ist und intensives Krafttraining seit bereits 8 Jahren betreibt, achtet er darauf, viele Proteine zu sich zu nehmen, vorzugsweise durch Fleisch. Bevor wir zusammen waren, hat er täglich mindestens ein Stück Pute gegessen und natürlich auf dem Brot Aufschnitt etc. Da ich eh schon vegetarisch gelebt habe, hat sich das zurück entwickelt, aber nie ganz aufgehört, was ich auch okay finde. Mein Freund liebt: McDonalds und Burger King. Einmal hat er nach einer Diskussion mit mir gesagt, dass er einfach gerne isst und sich dabei in dem Sinne nicht einschränken möchte. Er ist der Meinung, dass Massentierhaltung der falsche Weg ist, und er greift lieber auf Fleisch zurück, dass von "glücklichen Tieren" stammt. Ich finde das gut, denn das ist ein Fortschritt. Ich möchte nicht, dass irgendwer das falsche Bild von ihm bekommt: M. ist totaler Tier-Fan (sei es Schlangen oder Katzen, er kann sich für jedes Tier begeistern) und er ist sehr intelligent, oft ein wenig zu realistisch und rational für mich, die nur bunte Knete und Murmeln im Kopf hat. Und trotzdem, lehnt er es ab, Vegetarier oder gar Veganer zu werden. "Ist das nicht seltsam?", denkt man. "Ein so schlauer Mensch, müsste doch wissen, dass Veganismus der richtigere Weg ist" (oder ähnlicher Gedanke). Gestern noch zeigte ich ihm den McDonalds-Check auf ARD und ein paar andere Infos über McD. Er lacht und sagt "Ja das weiß ich auch, aber ich bin so bekloppt, ich würde die Burger trotzdem essen". Was sagt man dazu? Da gibt es nicht viel, was mir einfällt.
Für mich als frisch-gebackene Veganerin (4 Monate) ist das manchmal eigentlich gar nicht so einfach. Bevor ich vegan gelebt habe, habe ich jeden morgen einen Kakao mit Kuhmilch getrunken. Und das 24 Jahre lang. Manchmal auch zwei. Kakao war mein Leben. Unvorstellbar das abzustellen. Aber das klappte erstaunlich gut.  Wenn wir kochen, koche ich vegan und mein Freund macht sich manchmal Fleisch dazu oder isst einen leckeren Quark (aus Kuhmilch), Käsebrote und Wurstbrote. Er kann diese Sachen hier einfach im Laden kaufen gehen. Kostet nicht all zu viel und ist doch irgendwie so einfach. Suche ich Aufstriche, so suche ich meistens vergeblich, muss mich also in Deutschland eindecken oder Marmelade essen. Ihr glaubt nicht, wie das manchmal nervt. Für Reis-, Soja- oder Hafermilch, muss ich um die 3 Euro springen lassen. Demnach trinke ich kaum noch Pflanzendrinks. Brot ist hier selten bis nie vegan zu kaufen, das backe ich also meistens selber. Vegane Produkte im Kühlfach sind absolute Fehlanzeige hier in Dänemark, es gibt wirklich nichts. Nichts. Es hat mich so weit gebracht, dass ich manchmal gerne das Handtuch werfen möchte. Mich meinen Gelüsten nach überbackener Lasagne hingeben, Milchschokolade von meinem Freund naschen oder bei meinen internationalen Freunden einmal nicht blöd auffallen durch meine "crazy diet" oder eben im Supermarkt nebenan schnell kaufen, was ich halt als Veganerin so esse. Denn hier gibt es wirklich, und das schwöre ich, bis auf die Pflanzendrinks keine Ersatzprodukte, außer Tofu. Und das ist naturbelassen. Nuss- oder Seidentofu? Nope. Gut, es gibt eine Sorte Pudding und eine Sorte Joghurt. Aber davon kann man ja nicht leben. Hier in Dänemark habe ich manchmal das Gefühl, das Veganismus WOHL ein Verzicht ist, denn es gibt hier kaum etwas, was einem mal den Tag versüßen könnte. Veggieburger von Alnatura, Glutenfreie Irgendwas, Pflanzenaufstriche, Vegane "Wurst", Seitan,....dream on. Es ist nicht so, dass ich unbedingt diese Ersatzprodukte brauche, aber manchmal habe ich das Gefühl, die Möglichkeiten sind hier so klein. Ganz anders als in anderen Ländern. Aber lasst euch nicht täuschen: Ich liebe vegan-sein immer noch und über alles. Aber wenn man 24/7 mit jemandem zusammen lebt, der wirklich alles isst, in jeden Laden reingehen kann, alles kaufen kann, dann ist das hier in Dänemark ab und zu verdammt schwer. "Können" tue ich das auch, klar. Aber ich "möchte" es eben nicht. Und ich finde meinen Weg immer noch gut und richtig. Aber mir klingt immer dieser Satz einer alten Freundin im Ohr "Ich esse auch ausgewogen, mal ganz wenig Fleisch, mal Fisch, mal Salat, eben wo ich Lust drauf habe". Und dieser Satz, der klingt ab und zu so einfach. So verführerisch. Und diesen Satz, den bekomme ich nun vorgelebt. Jeden einzelnen Tag. Ich habe großes Glück, dass mein Freund sehr offen für meinen Veganismus ist und die veganen Gerichte auch gerne mag. Wir machen gemeinsam Witze über die jeweiligen Ernährungsweisen und das tut gut. Und es klappt auch wunderbar alles. Trotzdem denke ich in letzter Zeit öfter, wie einfach es sein könnte, wenn ich nicht all das wüsste was ich weiß. Ich kann mit diesem Wissen nur vegan leben, alles andere entspricht nicht meinem Wesen. Manchmal verfluche ich es trotzdem. Eine Freundin von mir sagt, sie könne niemals jemanden küssen, der Fleisch gegessen hat. Das hieße, ich müsste mit meinem Freund also Schluss machen. Aber das mag ich natürlich nicht machen und für mich ist das auch nicht nötig, dass er auf Fleisch verzichtet. Er soll so leben, wie er es gerne möchte. Trotzdem finde ich die Aussage meiner Freundin interessant für diesen Beitrag und bin gespannt, wie manche von euch dazu stehen.

Nun denn, weil es eben manchmal schwierig sein kann, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wenn man romantisch mit seinem Omni-Boytoy essen will, plane ich folgendes: Ich möchte hier eine kleine Reihe aufmachen, in der ich Gerichte präsentiere, die meinem Omni-Freund super geschmeckt haben und damit als "Omnitauglich" befunden werden können. Und natürlich müssen sie mir als Veganista (immer wieder danke Franziska) auch wunderbar geschmeckt haben. Verzeiht die plumpe und vereinfachte Sprache hier, aber besser kann ich die Gegensätze grad nicht darstellen. Übrigens ist mein Freund so weit, dass er sagt, er möchte seinen Fleischkonsum runterschrauben und viel Protein durch pflanzliche Ernährung ersetzen und allein das macht mich schon sehr glücklich.
Also macht euch bereit für eine Rezepte-Reihe, die hoffentlich ein Erfolg wird.

Ich grüße euch von Herzen, wie immer, euer Löwenherz